Laos
Mutter des Wassers
Ruhig fließt der breite, mächtige Strom an uns vorbei. Wir sitzen am Ufer des Mekong in Laos und beobachten die Menschen sowie das Treiben ringsherum. Manche gehen spazieren, andere meditieren, wieder andere sind einfach still und lassen den Moment wirken. „Mutter des Wassers“ bedeutet der Name „Mekong“. Mit einer Länge von über 4.000 Kilometern zählt er zu den zwölf längsten Flüssen der Welt.

Der Mekong ist nicht nur ein geografisches Naturwunder, sondern auch Lebensader für Millionen von Menschen in Südostasien. Ein Fluss, der alles zusammenhält. Er schenkt Nahrung, verbindet Dörfer und Städte, spielt eine zentrale Rolle in Mythen, Religion und Alltag. Für meine Reisebegleiter und mich ist er auch Sinnbild für das Leben in Laos: Trotz seiner Größe und Kraft strahlt der Strom Ruhe und Gelassenheit aus. Das prägt auch das Land: Langsamkeit, Geduld und Ruhe. Bei unserer Reise durch Laos steht er im Mittelpunkt, immer wieder haben wir Berührungen mit ihm.
Eine beschauliche Hauptstadt
Auch die Hauptstadt Vientiane liegt direkt am Mekong, der hier die Grenze zu Thailand markiert. Während man sich in anderen asiatischen Hauptstädten wie Bangkok, Hanoi oder Phnom Penh oft von endlosem Verkehrschaos, Neonreklamen, Großstadthektik und Lärm erschlagen fühlt, empfängt uns hier eine entspannte Atmosphäre. Vereinzelt finden wir alte Villen im französischen Stil, die von der kolonialen Vergangenheit zeugen. Und auf den Straßen begegnen uns Verkäufer, die Baguette und Croissants anbieten. An den Pariser Arc de Triomphe erinnert uns das Patuxai Monument, das in den 50er Jahren als „Denkmal für die Helden der königlichen Armee“ im Zentrum eines großen Kreisverkehrs errichtet wurde. Im Inneren ist die Decke schön mit farbigen Reliefs aus der indischen Mythologie geschmückt.

Neben französischer Kolonialarchitektur wird die Stadt vor allem von zahlreichen buddhistischen Tempelanlagen (Wats) geprägt. Zu Fuß begeben wir uns zum ältesten noch erhaltenen Tempel, dem Wat Si Saket, der 1818 erbaut wurde. Um die zentrale Zeremonienhalle läuft ein Wandelgang mit kleinen Nischen, in denen Tausende kleine Buddhastatuen aus Stein, Holz oder Bronze aufgereiht sind. Ein Tuk Tuk bringt uns zum Pha That Luang, einem goldenen Stupa von 45 Metern Höhe aus dem 16. Jahrhundert. Der „Ehrwürdige Stupa“ ist das bedeutendste religiöse Monument des Landes und zugleich ein Nationalsymbol, das sogar das Wappen des Landes ziert. Der Überlieferung nach soll Buddha selbst diesen Ort besucht und den Bau eines Reliquienschreins vorausgesagt haben.

Im Wat Si Muang können wir die spirituelle Hingabe der Vientianer beobachten: Die Menschen sitzen respektvoll auf dem Boden des Tempels, während Mönche in orangefarbener Robe die Segnung durchführen. Dabei werden weiße Baumwollbänder (Sai Sin) an den Handgelenken angebracht und Mantras gesprochen, um dem Träger Schutz und Glück zu wünschen. Vor den vergoldeten Buddhastatuen bringen die Gläubigen dann ihre Opfergaben dar: Schalen mit Obst, Blumensträuße, Räucherstäbchen oder Kerzen.
Hier können wir ein besonderes Opferritual beobachten: Die Menschen kaufen kleine Vögel in Bambuskäfigen. Vor einer Buddhafigur wird dann ein stilles Gebet oder ein Wunsch ausgesprochen. Danach öffnen die Gläubigen den Käfig und lassen die Vögel in den Himmel fliegen. Durch das Freilassen eines Lebewesens hofft man, gutes Karma zu sammeln. Der Vogel, der aus dem kleinen Käfig entlassen wird, symbolisiert die menschliche Seele, die sich aus den Fesseln von Unwissenheit löst.
Faszinierende Landschaften
Bei unserer Reiseplanung haben wir für den Süden von Laos bewusst viel Zeit vorgesehen, weil er zu einer der ursprünglichsten Regionen Südostasiens zählt. Wir folgen der Strecke auf der Straße 13, die das Land von Norden nach Süden durchquert und die Haupttransportachse bildet. Die Fahrt ist allerdings eine Herausforderung, denn die Straße befindet sich in einem erbärmlichen Zustand, von tiefen Schlaglöchern übersät und an etlichen Stellen im Schlamm versinkend. So brauchen wir etwa für 230 Kilometer rund zehn Stunden reine Fahrzeit.
Entschädigt werden wir durch die malerische Schönheit der Landschaft. Wir sind umgeben von Karstbergen und Reisfeldern, auf denen Bauern gerade mit der Sichel abernten. Um den Ausblick zu genießen, machen wir immer wieder Halt. Wegen des heißen und schwülen Wetters sind die Wanderungen zu den Aussichtspunkten schweißtreibend.

Daneben sind noch gute Kondition und Konzentration gefragt: Denn neben scharfen Felskanten und hohen Trittstufen ist es vor allem der rutschige Lehm, der eine beachtliche Gefahrenquelle darstellt. Oben angekommen erwartet uns dafür ein tolles Panorama: Umgeben von dicht bewaldeten Karstbergen sehen wir unzählige Reisfelder mit ihren unterschiedlichen Grünschattierungen, die wie spiegelnde Schachbretter zwischen den hohen Palmen liegen.
Fahrt in die Unterwelt
Doch wir wollen nicht nur in die Höhe, sondern auch die „Unterwelt“ erkunden. So suchen wir abseits der touristischen Hauptroute ein besonderes Naturwunder auf: die Kong-Lor-Höhle. Durch sie fließt ein Fluss, sodass man sie nur mit Hilfe eines Bootes durchqueren kann. Daher bekommen wir Schwimmwesten angelegt und eine Stirnlampe. Mit länglichen Motorbooten geht es nun hinein in das Dunkel dieser atemberaubenden Höhle mit gigantischen Dimensionen. An der größten Ausdehnung ist sie 90 Meter breit und 100 Meter hoch. Siebeneinhalb Kilometer können wir sie durchfahren.

Bereits nach kurzer Fahrt hält unser Boot an einem Anlegepunkt bei einer Sandbank. Zu Fuß marschieren wir nun durch eine beleuchtete Tropfsteinhöhle mit faszinierenden Säulen, Stalaktiten und Kalksteinformationen. Dann geht die Fahrt in der Dunkelheit weiter. Nur der Strahl unserer Lampen leuchtet die Wände und Höhlendecke etwas aus. Wie eine Schlange windet sich der Fluss um viele Felsen und Biegungen. An einer Flachstelle müssen wir in das seichte Wasser steigen, während der Bootsführer das leere Boot über die flache Stelle schiebt. Ein einmaliges Erlebnis „unter der Oberfläche“.
Ursprüngliche Dörfer
Neben den Naturschönheiten zieht uns die Ursprünglichkeit der Region immer wieder in ihren Bann. Diese erleben wir vor allem bei unseren Radtouren durch die kleinen Dörfer. Sie bestehen vielfach aus einfachen Holzhäusern, die auf Stelzen errichtet sind. Diese Bauweise schützt vor Überschwemmungen in der Regenzeit und sorgt für eine natürliche Belüftung in den heißen Monaten. Unter den Häusern befindet sich das Vieh, und es werden dort landwirtschaftliche Geräte gelagert. Die Dächer sind traditionell mit Palmblättern gedeckt, während in wohlhabenderen Familien mittlerweile auch Wellblech verwendet wird.
Die Menschen leben überwiegend von der Landwirtschaft. Nassreis bildet das wichtigste Grundnahrungsmittel und wird auf Feldern in mühevoller Handarbeit angebaut. Daneben halten viele Familien Hühner, Schweine oder Wasserbüffel. Letztere sind nicht nur wertvolle Arbeitstiere, sondern gelten auch als Statussymbol und werden bei wichtigen Festen oder Zeremonien geopfert. Eine wichtige Lebensgrundlage bildet auch der Fischfang im Mekong und seinen Nebenflüssen.

Teilhaben am Dorfleben
In den Dörfern hat sich noch ein traditioneller Lebensstil erhalten, der von Einfachheit, Gemeinschaftssinn und einer engen Verbindung zur Natur geprägt ist. Und wir haben die große Chance, ein bisschen in diese Welt einzutauchen. Nach einer langen Fahrt über Rumpelpisten und Schlaglöcher erreichen wir bei Dunkelheit das Dorf, aus dem die laotische Frau eines Freundes stammt. Die ganze Nachbarschaft ist zusammengekommen, um uns freundlich zu begrüßen. Sogleich wird für uns eine Baci-Zeremonie abgehalten. So ein Ritual wird üblicherweise zu besonderen Anlässen wie Hauseinweihung, Hochzeit oder Geburt eines Kindes abgehalten.
Um ein mit Blumen geschmücktes Silbergefäß versammeln sich Gastgeber und Gäste. Der Dorfchef spricht die Segenswünsche aus. Wir legen eine Hand auf die zentrale Opferstele und bekommen weiße Baumwollbändchen um das Handgelenk gebunden, während individuelle Wünsche gemurmelt werden. Die Fäden um unsere Hand sollen gute Geister festbinden, damit sie uns auf der Weiterreise begleiten.

Am nächsten Tag haben wir die Möglichkeit, Einblick in das Landleben zu bekommen. Uns werden die klassischen Kegelhüte aus Bambus aufgesetzt, dann geht es mit dem Zweiradtraktor (Chinese Buffalo) zu den Reisfeldern der Familie. Unter Anleitung versuchen wir am Feld mitzuarbeiten – mit der Sichel die Garben schneiden, zu Büscheln binden und den bereits gedroschenen Reis in der Sonne zum Trocknen ausbreiten.

Es geht weiter zu einem kleinen Fischteich, wo der Bauer in einem großen Bogen das Netz auswirft. Sehr rasch zappeln die ersten Fische für unser Mittagmahl darin. In der Zwischenzeit wurde ein Lagerfeuer entzündet, um die Fische zu grillen. In einer Kühlbox werden Papayasalat, Nudeln, Klebreis und Bier gebracht. Auf Strohmatten sitzend gibt es so ein köstliches Barbecue. Mit einer kleine Bootsfahrt auf dem Teich außerhalb des Dorfes, der wie eine Mangrovenlandschaft aussieht, lassen wir diesen besonderen Tagausklingen.
Wat Phou aus dem Reich der Khmer
Das bedeutendste historische Monument in Süd-Laos ist zweifelsohne der Tempelkomplex Wat Phou, der von den Khmer zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert errichtet wurde. Er diente im damaligen Khmer-Reich als wichtiges religiöses Zentrum noch bevor Angkor Wat erbaut wurde.

Der Komplex besteht aus einem Prozessionsweg, zwei großen Palasthallen, zahlreichen kleineren Tempeln und Schreinen sowie dem Haupttempel. Die Reliefs auf Friesen und über den Türstöcken der Tempel sind ähnlich fein gearbeitet wie ich sie in Angkor gesehen habe, das etwa 240km entfernt liegt und über eine heilige Straße mit Vat Phou verbunden war. Der große Unterschied zu Ankor Wat: Wir sind die einzigen Besucher und haben das ganze Areal für uns.
Ein Flussquartier und Tausende Inseln
Zum Abschluss unserer Tour in den Süden bietet uns der Mekong noch ein ganz besonderes Naturschauspiel: die Region, die von den Einheimischen Si Phan Don (Viertausend Inseln) genannt wird. Der mächtige Fluss erreicht dort an der Grenze zu Kambodscha die größte Breite und verzweigt sich auf einer Länge von 50 Kilometern und einer Breite von 14 Kilometern in Hunderte kleine Flüsse, die sich um zahllose kleine und größere Inseln schlängeln.
Ein Taxiboot bringt uns zu Don Khone, eine der größeren Inseln, die sich zwischen mächtigen Wasserfällen befindet. Dort sind wir dem Mekong besonders nah, denn unser Floating Studio schwimmt auf dem Fluss. Wir sitzen gemütlich am Balkon und sehen dem Mekong zu, wie er träge an uns vorbeizieht. Immer wieder gleiten Fischer mit ihren langen Holzbooten vorbei und winken uns freundlich zu.

Wir mieten Fahrräder, um die Insel ganz entspannt zu erkunden. Befestigte Straßen gibt es kaum, was den Vorteil hat, dass die Insel weitgehend autofrei ist. Die mit Kokospalmen gesäumten Wege vermitteln uns Karibikflair. Es geht vorbei an alten französische Kolonialbauten, traditionellen Bambushütten, kleinen Tempeln und leuchtenden Reisfeldern. Wir radeln über die aus der französischen Kolonialzeit stammende Eisenbahnbrücke rüber zur Nachbarinsel Don Det. Die Franzosen errichteten 1894 eine Schmalspurbahn, die damals den Personen- und Güterverkehr in den Süden sicherte. Denn die zahlreichen Mekongfälle galten als unüberwindbares Hindernis für Schiffe. Wir steuern einige Mekong-Wasserfälle an und beobachten aus nächster Nähe, wie die braunen Wassermassen über breite Felsen donnern. Bei 37 ° Grad zu Mittag habe ich das Bedürfnis nach einer Abkühlung. Und so wage ich mich bei einer seichten Sandbank in die braunen Fluten. Ein kleines Abenteuer, denn die Strömung reißt mich sofort mit und ich benötige einige Kraft, um wieder ans Ufer zu gelangen. Von einer Sandbank aus beobachten wir den fast kitschigen Sonnenuntergang und verabschieden uns so vom Süden des Landes.
Kultur zwischen Mekong und Tempelgold
Auch im Norden bleiben wir dem Fluss treu. Denn unser Ziel, die alte Königsstadt Luang Prabang, liegt eingebettet zwischen dem Mekong und dem Nam-Khan-Fluss. Diese prächtige Stadt ist das kulturelle Herz des Landes und vermittelt eine einzigartige Mischung aus traditioneller laotischer Architektur, Einflüssen aus der französischen Kolonialzeit und buddhistischer Spiritualität.
Im historischen Zentrum besuchen wir den ehemaligen Königspalast. Er wurde 1904 für König Sisvang Vong erbaut und dient heute als Nationalmuseum. Am Giebel über dem Eingang entdecken wir das alte Emblem des Landes: Erawan, den dreiköpfigen Elefanten, der bis 1975 auf der Flagge des Königreichs Laos abgebildet war. Die drei Köpfe stehen für die Vereinigung der drei historischen Königreiche von Laos, ein weißer Schirm für die königliche Würde und den Schutz. Im Inneren befinden sich der Thronsaal, königliche Gemächer sowie wertvolle Kunstschätze und Geschenke aus aller Welt.

Danach beginnt für uns ein wahrer „Tempelmarathon“, denn Luang Prabang beherbergt über 30 Klöster. Jeder Tempel erzählt seine eigene Geschichte und zeigt die tiefe Verwurzelung des Buddhismus im Alltag der Bevölkerung. So besuchen wir beispielsweise in unmittelbarer Nähe des Königspalastes den bedeutenden Tempel Wat Mai. Während des buddhistischen Neujahrsfestes spielt Wat Mai eine zentrale Rolle, weil die berühmte Buddha-Statue „Phra Bang“ hier ausgestellt wird. Sie hat der Stadt ihren Namen verliehen und gilt als Schutzheiligtum von Laos gilt. Direkt am Ufer des Mekong erkundigen wir den bekanntesten Tempel Luang Prabangs, den Wat Xieng Thong (Goldenes Kloster). Er wurde im 16. Jahrhundert erbaut und war über Jahrhunderte der Zeremonialtempel der Könige. Die Rückfront des Wat schmückt ein Glasmosaik, das den buddhistischen Wunschbaum auf rotem Grund darstellt. Dieser Bo-Baum (Thong) gab der Tempelanlage den Namen. Die reich verzierten Spiegelmosaiken, die mit buntem Glasstein besetzt sind und Szenen aus Legenden und dem Alltagsleben darstellen, wurden 1957 anlässlich von Buddhas 2.500 Geburtstag geschaffen.
Almosengang der Mönche
Am nächsten Tag heißt es um 5 Uhr früh aufstehen, denn wir wollen die berühmte Tak Bat-Zeremonie erleben. Diese Art der Mönchsspeisung ist eine uralte spirituelle Tradition im Buddhismus. Sie ermöglicht es den Mönchen, sich ganz und gar auf Gebete, Meditation und Seelsorge zu konzentrieren, ohne sich um die Beschaffung von Nahrung kümmern zu müssen.
Der morgendliche Almosengang findet täglich bei Sonnenaufgang statt. Als wir in der Dämmerung ankommen, sitzen bereits etliche Frauen in stiller Andacht am Straßenrand und warten auf die Mönche. Vor ihnen stehen kleine Körbe mit Reis, Eiern, Früchten und kleinen Snacks als Gaben für die Mönche. Diese Stille des frühen Morgens und die aufgehende Sonne schaffen eine einzigartige Atmosphäre.

Dann kommen Hunderte von Mönchen mit ihren safranfarbenen Roben. Schweigend und barfuß ziehen sie mit bronzenen Bettelschalen von Haus zu Haus. Jeder Gläubige legt seine vorbereiteten Gaben in die Almosenschüssel. Da die Mönche ihre Prozession in Meditation absolvieren, herrscht während des ganzen Rituals Stille. Es gibt keinerlei Unterhaltung und keinen Blickkontakt. Nicht einmal eine Geste des Dankes von den Mönchen. Denn es geht bei der Tak Bat nicht um eine Spende, sondern eher um eine spirituelle Verantwortung und enge Verbindung zwischen der Gemeinschaft und den Mönchen. Während die Einwohner in der Verantwortung stehen, die Mönche zu ernähren, sind diese dafür verantwortlich, die Gemeinschaft spirituell zu unterstützen. Es ist ein Geben und Nehmen, und die Gläubigen erhalten dadurch die Möglichkeit, Gutes zu tun und damit ihr Karma zu verbessern.
Das große Lichterfest
Am Abend erwartet uns das kulturelle Highlight dieser Reise: das Lichterfest Boun Lai Heua Fai, welches das Ende der dreimonatigen buddhistischen Fastenperiode markiert. Das Festival findet jährlich an einem Vollmondabend im Oktober statt, um die Phanang Naga (den Wassergeist) zu verehren und Glück fürs kommende Jahr zu erbitten.
Bereits Tage vor dem Fest beginnen die umfangreichen Vorbereitungen: An Ständen werden Opfergaben aus Blumen und Obst sowie kleine Opferflöße aus Bambusstauden mit einer Kerze in der Mitte (Krathongs) verkauft, die später auf dem Mekong schwimmen sollen. In den Tempeln beobachten wir junge Mönche, wie sie große Papierdrachen und Laternenboote aus Bambus, Bananenholz und farbigem Seidenpapier anfertigen, die innen mit Dutzenden Kerzen beleuchtet werden. Beeindruckende filigrane Kunstwerke.

Am Abend erstrahlt die ganze Stadt in einem Lichtermeer: Jedes Kloster hat sein Gelände mit Papierlaternen geschmückt. Sämtliche Figuren und Symbole sowie die großen Papierdrachen sind mit warmem Kerzenlicht beleuchtet. Eine unbeschreibliche Szenerie voll Harmonie. Die ganze Stadt ist nun auf den Beinen, um den Höhepunkt des mehrtägigen Lichterfestes zu erleben – den großen Umzug durch die Stadt.

Die riesigen Feuerboote und Papierdrachen werden auf Traggestellen von jungen Männern gezogen. Dir Frauen folgen in ihren traditionellen Kleidern mit Laternen in der Hand. Es gibt Musik und Tanz – eine ausgelassene und doch feierliche Stimmung. Die Prozession endet am Ufer des Mekong, nahe dem Wat Xieng Thong. Dort werden die großen Feuerboote über die Treppen hinabgetragen und ins Wasser gesetzt. Gleichzeitig setzen Menschen ihre persönlichen Krathongs in den Fluss, damit ihre Sorgen weggeschwemmt werden und sie im kommenden Jahr Glück erwarten können. Unzählige Figuren und Lichter spiegeln sich im Wasser. Dieses einmalige Bild voller Besinnlichkeit und Spiritualität ist ein wahrhaft unvergessliches Erlebnis.
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